Unterricht mal ganz anders - beim Malen über Geparden und Artenschutz lernen


Von Larissa Slaney

Beim Eintreten in den Klassenraum schauen mich gespannte Kinderaugen an. Nicht alle kennen mich und die, die mich kennen, wissen, dass mein Unterricht meistens etwas anders ist. Er hat immer etwas mit Naturwissenschaften zu tun und immer gibt es etwas Spielerisches oder Künstlerisches zu tun, um die wissenschaftlichen Konzepte besser zu verstehen. So auch heute, denn ich möchte mit den Kindern der 7. Klasse der Allemann Fun Samstagsschule in Edinburgh über meine Gepardenforschung sprechen. 


Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit Geparden und seit einem Jahr mache ich meinen Doktor in diesem Feld. Das Projekt ist meine Idee und integriert verschiedene wissenschaftliche Bereiche – Genetik, Neoichnologie (die Lehre von Fährten und Spuren lebender Tiere), Anatomie, Artenschutz und Informatik. Und da es mir schon immer wichtig war, nicht hinter geschlossenen Türen zu forschen, halte ich Talks und interaktive Workshops in Schulen und bei anderen Veranstaltungen, in der Hoffnung, somit Interesse an Naturwissenschaften generell und an Artenschutz im Speziellen zu wecken. Ausserdem gibt es mir die Chance, über die prekäre Lage der Geparden zu informieren, denn diese sind dem Aussterben näher als allgemein bekannt ist. 


Die Kinder hören gespannt zu beim ersten Teil des Talks, bei dem wir über Gepardenbiologie sprechen. Sie hören, wie ein Gepard schnurrt und sind fasziniert von den vogelartigen Tönen, die sie von sich geben, um zu kommunizieren. Wir reden über die besonderen Merkmale des Geparden und wie die Jungen vor anderen Raubtieren geschützt werden. Und immer wieder die Frage, weshalb die Natur dies so eingerichtet hat. Die Schüler machen super mit, stellen interessante Fragen und liefern tolle Antworten. 


Dann gibt es eine Snackpause, in der ich den Kindern erzähle, dass wir als nächstes Gipsabdrücke von Gepardenpfoten bemalen werden. Die Abdrücke sind von einer Gepardin, mit der ich in Namibia gearbeitet habe und von der ich den Kindern nach der Pause mehr erzähle. Während wir die Pfotenabdrücke bemalen, erfahren die Kinder mehr über mein Forschungsprojekt, weshalb die Pfotenabdrücke dafür so wichtig sind, was die Unterschiede zwischen Abdrücken von Groβkatzen- und Hyänenpfoten sind und was die Software, die ich benutze, alles schon in den Abdrücken erkennen kann. Die Kinder hören gespannt zu, erkunden den Fussabdruck beim Anmalen und stellen immer wieder interessante Fragen. Warum sind Geparden so gefährdet? Wieso wird nur die linke Hinterpfote für dieses Projekt benutzt? Und wie kann man sehen, ob es eine linke oder rechte Pfote ist? Was ist genetische Variation? Und warum kann man die Geparden nicht einfach klonen? Lauter spannende Fragen, die zu einer angeregten Diskussion führen, meist auf Deutsch, aber mit ein wenig englischer Hilfe, wenn man stecken bleibt und damit sich auch die, deren Deutsch noch nicht ganz so gut ist, mit einbringen können. 
 


Am Ende verlassen die Kinder mit leuchtenden Augen den Unterricht, zeigen ihren Eltern stolz ihre frisch bemalte Gepardenpfote, die sie natürlich mit nach Hause nehmen dürfen und erzählen sofort, was sie so alles über Geparden gelernt haben. Und ich freue mich zu sehen, wie sehr den Kindern der Unterricht Spaβ gemacht hat und wie sehr ihr Interesse an Artenschutz und Geparden geweckt ist. Dieses Wissen wird hoffentlich eines Tages allen zugutekommen – auch den Geparden. 

 

Larissa Slaney ist Doktorandin and der Heriot-Watt University in Edinburgh. Sie hat ihrem Forschungsprojekt den Namen ‘Fit Cheetahs’ gegeben und ist darunter auch auf Facebook, Twitter und Instagram zu finden. Gegen eine Spende für ihr Forschungsprojekt hält sie Talks und Workshops auf Englisch oder Deutsch an Schulen oder bei anderen Events. Bei Interesse, wenden Sie sich bitte direkt an Larissa: larissa@fitcheetahs.com. Mehr Informationen finden Sie unter www.fitcheetahs.com.
 

 

 

 

 

 

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